Das 4-Jahreszeiten-Kunstprojekt HIDDEN TRACKS, eine spartenumspannenden Spurensuche: Im Winter, Frühling und Sommer eroberte das Ensemble unter künstlerischer Leitung und Regie von Lukas Rauchstein die Insel Hiddensee mit Theater, Musik, Film und Bildender Kunst und läutete eine Dekade des Spektakels ein. Gemeinsam suchten und fanden wir den Pulsschlag der Küste, den Beat der Heimat, die Melodie der Uferlosen. 

Im Sommer feierten wir das 100. Jubiläum der Bemalung des Deckengewölbes der Inselkirche durch Nikolaus Niemeier („Hiddenseer Rosenhimmel“) mit der Premiere einer großen Show.  

Aufgrund der aktuellen Coronasituation dezentralisierten wir die Startphase im Februar zunächst und verlegten sie teilweise in den digitalen Raum. So wurde das Ensemble gedrittelt, Insulaner*innen und „Erober*innen“ trafen sich und kommunizierten via „Zoom“. Im Gästehaus der Inselgemeinde fanden Sprechzeiten, Proben und offene Workshops statt. Im Gutshaus Ramin fand sich eine Gruppe potentieller Erober*innen zusammen und übernachtete dort. Und eine weitere Gruppe kam im soziokulturellen Freizeitzentrum Zebef in Ludwigslust zusammen.

 

Um der Entkörperlichung des Geistes einen absolut analogen Kontrapunkt entgegen zu setzen, war ein thematischer Anker das Zubereiten eines überregionalen 3-Gänge-Menüs. Kulinarisch griffen wir dem 100-jährigen Jubiläum der als „Hiddenseer Rosenhimmel“ legendären Gewölbebemalung der Inselkirche durch Nikolaus Niemeier vor. So gab es in Ramin Piroggen mit eingelegten Rosenblättern und Spaghetti mit Hagebutten-Pesto, als Zoom-Show in die Küchen von Ludwigslust und Hiddensee gestreamt. Außerdem stellten die Teilnehmenden Rosen-Peeling als persönliches Valentinstagsgeschenk zur Weitergabe an die Lieben, auch und vor allem aber zum Eigenbedarf her. Die Raminer Rosentage unter Anleitung unserer herzlichen Gastgeberin Jolanta Grenke werden wir noch lange in bester Erinnerung behalten.

 

 Unser Chef-Designer Michael Thiele von den TRANSFOMERN aus Dortmund gab den Teilnehmenden ein Online-Impulsreferat zum Thema Insel. Denn zentraler Bestandteil einer jeden Eroberung ist das topografische Erfassen des Eilandes. Wir ließen unserer Phantasie freien Lauf und wagten die Neukartographierung der Insel Hiddensee. Zwanzig Teilnehmer schufen zwanzig verschiedene Versionen, wir müssen uns nicht auf eine einigen. Jedem sei sein Hiddensee.

 

Generalmusikdirektor und Inszenierungsbeauftragter Lukas Rauchstein komponierte und textete die Projekthymne mit den Teilnehmenden und studierte sie auf seiner Rundreise durch die drei Stationen mit dem Ensemble ein. „Ich brauche weder Ruhm noch Schecks / Ich brauch nur / Deine Spur / Deine Hidden Tracks“. Erste Clips für das Musikvideo wurden in einer Nacht- und Küstennebelaktion auch gedreht.

 

 Da der kollektive Bezug des Gästehauses auf der Insel verschoben wird, wurden digitale Übernachtungsparties gefeiert. Abends wurde vor und während des Zu-Bett-Gehens eine Zoom-Konferenz abgehalten, während der man einander Gute-Nacht-, aber auch gerne Gruselgeschichten erzählen und Schlaflieder singen konnte. Taschenlampen-Perfomances von Bildschirm zu Bildschirm und digitales Schäfchenzählen waren die letzten Abenteuer des Tages, denn am Folgetag standen schon wieder viele Neue an.

Kurz vor Ostern kamen die Gruppen aus Ramin und Ludwigslust auf Hiddensee zusammen. Dabei gingen jeweils zwei Träume in Erfüllung: Der von den Anderen und der von der Insel. Schnell wurden Bande geknüpft und Betten verteilt. Das Kennenlernen fand allerdings nicht zuletzt auch kreativ statt und da jede*r sich bereits im Vorfeld mit Hiddensee (z.B. im Kartographie-Part der ersten Phase), Niemeier und der Rose im Allgemeinen auseinander gesetzt hatte, war es eindrucksvoll und spannend, die verschiedenen Perspektiven vorzustellen, einzunehmen, abzugleichen und unter Umständen auch radikal zu ändern.

So kamen jeweils Teilnehmende aus Ramin und aus Ludwigslust in den ersten Tagen in kleinen Gruppen zusammen und erarbeiteten Szenen und Ideen zu den Themen „Biografie Nikolaus‘ Niemeiers“, „Die Rose im popkulturellen Kontext“, „Himmel“, „Insel“, „Inselbegabung“, „Leuchtturm als Metapher“ und „(Schatz-)Karte“. Die erarbeiteten Szenen wurden im Hinblick auf die Show im Sommer zu einer dramaturgisch stimmigen Collage angeordnet. 

Umrahmt wurden die Workshops von musikalischen Proben mit dem gesamten Ensemble, das einstudierte Medley vom „Heidenröslein“ bis Bette Midler, von „Schwarze Rose“ bis zu Bonnie Tyler ließ generationenübergreifend kaum Wünsche offen.

Die Teilnehmenden setzten sich aktiv und künstlerisch mit dem Ort ihres Schaffens auseinander. So konnte der Rosenhimmel der Inselkirche im Palmsonntags-Gottesdienst in Aktion erlebt und die beeindruckende Natur auf Inselrundgängen, Kutschfahrten und Strandausflügen wahrgenommen werden.

Auch die Freizeit als solche und der Ferienaspekt (Spiele- und Liederabende, gemeinsames Grillen etc.) fanden Widerklang in szenischen Motiven.
Jede*r Teilnehmer*in wurde portraitiert im Inselambiente und zitierte einen Schlüsselsatz seiner/ihrer Figur vor der Kamera. Durch die Umordnung dieser Fragmente entstanden wiederum frische Impulse für das Erschließen neuer kreativer Zusammenhänge. 
 
Das Wichtigste: Es hatten alle eine gute Zeit, denn das Ergebnis kann nur so gut wie der Prozess sein. 
Der gemeinsame Weg der Gruppen endete erst auf dem Festland in Stralsund am Fähranleger (Nummern wurden ausgetauscht, endlich wieder Empfang!), wo er im Juli zur Fortsetzung des Abenteuers seinen neuen Anfang finden wird. 

HIDDEN//TRACKS
DIE Hymne

Musik & Text: Lukas Rauchstein

HIDDEN//TRACKS
Text und Akkorde

Infos

Eine Produktion von projekte.art e.V.  gefördert durch auf!Leben – Zukunft ist jetzt. 

AUF!leben – Zukunft ist jetzt. ist ein Programm der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung, gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, 

Frauen und Jugend. Das Programm ist Teil des Aktionsprogramms Aufholen nach Corona der Bundesregierung.